{"id":1270,"date":"2014-08-01T10:00:35","date_gmt":"2014-08-01T08:00:35","guid":{"rendered":"http:\/\/windkraft-geschichte-winterthur.ch\/?p=1270"},"modified":"2014-08-12T20:56:04","modified_gmt":"2014-08-12T18:56:04","slug":"nachruf-von-max-schaufelberger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/windkraft-geschichte-winterthur.ch\/wordpress\/max-schaufelberger\/nachruf-von-max-schaufelberger\/","title":{"rendered":"Nachruf von Max Schaufelberger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Max Schaufelberger wurde am 28. M\u00e4rz 1913 als Sohn eines Primarlehrers und einer Bauerntochter geboren. Zusammen mit seiner Schwester verbrachte er die ersten Lebensjahre unbeschwert in Uhwiesen am Rheinfall. Nach dem ersten Schuljahr zog der Vater aus R\u00fccksicht auf seine Gesundheit mit seiner Familie nach Wernetshausen am Bachtel, wo Vater Schaufelberger die gesamte Primarschule als einziger Lehrer unterrichtete. So ging Sohn Max w\u00e4hrend der ganzen Primarschulzeit zu seinem Vater in die Schule. Aber nicht nur Schulaufgaben geh\u00f6rten zu den Alltagspflichten der beiden Kinder, sondern auch die Pflege des grossen Gartens der zum Schulhaus geh\u00f6rte. Unter der liebevollen Obhut ihrer Mutter erlebten die beiden Kinder eine freie und gl\u00fcckliche Jugend.<br \/>\nDer Vater f\u00fchrte den aufgeweckten Max schon in den Schuljahren in die Ge- heimnisse des Bastelns ein. Die Freude an der Technik und am Basteln wurden f\u00fcr den Jungen in sp\u00e4teren Jahren mehr als ein Hobby.<br \/>\nIn jenen Jahren wurde das Radio langsam popul\u00e4r. Die Ger\u00e4te waren allerdings noch primitiv mit Kristalldetektoren, Kopfh\u00f6rern und Spulen ausger\u00fcstet. Bald kamen aber anspruchsvollere Apparate auf, die seinen Erfindergeist weckter Dies waren die besten Voraussetzungen f\u00fcr die sp\u00e4tere Lehre an der Metall- arbeiterschule, wo er weiter gef\u00f6rdert wurde.<br \/>\nEs war eine harte Zeit f\u00fcr den fleissigen Lehrling. Das bescheidene Sackgeld steckte er nicht wie andere in Zn\u00fcnibrote, sondern legte jeden F\u00fcnfer f\u00fcr Anschaffungen zu seinem Hobby beiseite. Der Bastelraum neben seinem Schlaf- zimmer war f\u00fcr ihn der meistgeliebte Aufenthaltsort.Dort konnte er stunden- lang experimentieren, seine jugendlichen Fantasien ausleben und dem auf- keimenden Tatendrang nachgehen. Seine Experimente hat der begabte Junge fein s\u00e4uberlich in einem Tagebuch festgehalten, das, wenn man es heute liest, einen interessanten Einblick in die Gebiete gibt, die ihn schon damals faszinierten.<br \/>\nNach dem Lehrabschluss besuchte Max Schaufelberger das Technikum Winterthur, das er mit dem Diplom des Elektro-Ingenieurs HTL abschloss. Das Studium fiel in die Zeit der grossen Wirtschaftskrise. F\u00fcr die meisten Schulabg\u00e4nger war es kaum m\u00f6glich eine Stelle zu finden. Von seinen Klassenkameraden erhielten nach dem Abschluss lediglich zwei eine feste Anstellung.<br \/>\nSo fand sich der junge Mann eines sch\u00f6nen Tages stellenlos und gedankenverlorer auf einer Bank am Z\u00fcrichsee und traf dort seinen Studienkollegen Werner Kern. In jugendlicher Begeisterung sagten sie sich: Wenn uns schon niemand eine Stelle anbietet, so gr\u00fcnden wir selber eine Firma und sind dann unsere eigenen Herrn und Meister. Der Not gehorchend, mit wenig Geld aber mit viel Mut gr\u00fcn- deten die beiden Kollegen 1934, mitten in der Krisenzeit die Firma Kern &amp; Schaufelberger.<br \/>\nEs war nicht leicht f\u00fcr die beiden jugendlichen Unternehmer, zumal sich die Weltlage und die Krise immer mehr zuspitzten. Kurz nach der Firmengr\u00fcndung musste Max Schaufelberger zudem einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Sein geliebter Vater starb fr\u00fchzeitig im Alter von nur 47 Jahren. Seine Mutter zog bald darauf nach Winterthur um ihren Kindern n\u00e4her zu sein.<br \/>\nDer Krieg war eine harte Pr\u00fcfung f\u00fcr die junge Firma. Oft waren Zweidrittel der Belegschaft im Aktivdienst und auch Max Schaufelberger wurde als Funker immer wieder f\u00fcr den Milit\u00e4rdienst aufgeboten.<br \/>\nAus jenen Jahren gibt es aber auch Erfreuliches zu berichten: 1941 verm\u00e4hlte sich Max Schaufelberger mit Elsbeth Wydler, einer geb\u00fcrtigen Winterthurerin und einstigem Studienschatz. In den sp\u00e4teren Jahren vervoll- st\u00e4ndigte sich das Gl\u00fcck der Familie durch die Geburt der beiden T\u00f6chter Heidi und Vreni. Der Verstorbene war ein g\u00fctiger Ehemann und Vater, der sich gerne im Kreise der Familie aufhielt und vorbildlich f\u00fcr die Seinen sorgte. Die Ehefrauen der Firmeninhaber &#8211; seine Frau und seine Schwester &#8211; trugen durch ihre selbstverst\u00e4ndliche Bereitschaft, sich voll f\u00fcr das Gesch\u00e4ft ein- zusetzen, viel zur Weiterentwicklung der Firma bei.<br \/>\nDer Verstorbene widmete sich neben seiner T\u00e4tigkeit als technischer Leiter der Kollektivgesellschaft Kern &amp; Schaufelberger auch noch einem Spezial- gebiet, das ganz seiner Wesensart und seinem Erfindergeist entsprach. wenn man heute von Alternativ-Energie spricht, so kann man sagen, dass Max Schaufelberger mit seinem Geist der Zeit Jahrzehnte voraus war. Schon in den Nachkriegsjahren befasste sich der Verstorbene mit viel Engagement und Weit- blick mit der Entwicklung und dem Bau von Windkraft-Anlagen. Er fand dabei schon dazumal reges Interesse in Bergrestaurants und einsamen Bauernh\u00f6fen und Zollstationen die abseits der Stromzufuhr mit Energie versorgt werden mussten. Mit seinen ausgekl\u00fcgelten, technisch einwandfreien Anlagen erwarb er seit den 70er Jahren Zuspruch und Anerkennung weit \u00fcber die Landesgrenzen hinaus. Max Schaufelberger war auf dem Gebiet der Alternativ-Energie ein echter Pionier und hat in seiner Art die Oel- und Energiekrise vorausgeahnt und schon fr\u00fch- zeitig nach umweltfreundlichen Energiequellen gesucht.<br \/>\nSein Lebenswerk ist ihm nicht in den Schoss gefallen. Er hat es mit viel Idealismus und Tatkraft selbst gestaltet. Dabei wurde er gl\u00fccklicherweise durch eine gute Gesundheit, gepaart mit ungew\u00f6hnlicher Ausdauer beg\u00fcnstigt. Ausser Beruf und Familie war f\u00fcr den Verstorbenen die Natur immer ein wesent- licher Teil seines Lebens. Er war immer ein Mann, der von der Scholle gepr\u00e4gt war. Wanderungen mit seiner Gattin in das geliebte T\u00f6sstal und ins Z\u00fcrcherober land gaben ihm Kraft und waren eine Erg\u00e4nzung zu seiner beruflichen T\u00e4tigkeit. Es kam nicht von ungef\u00e4hr, dass er sich auch dem Sportfliegen widmete. Mit Freude und Begeisterung konnte er nach einem Flug von den Natursch\u00f6nheiten der Schweizer Berge erz\u00e4hlen. 34 Jahre lang hatte er vielen jungen und alten Freur den und Bekannten zu unvergesslichen Flugerlebnissen verholfen. Sein letzter Alpenflug mit Nahsicht auf das Matterhorn Ende Oktober dieses Jahres, durchge- f\u00fchrt bei unwahrscheinlich sch\u00f6nem, klaren Wetter, war f\u00fcr ihn ein ganz grosse Ereignis.<br \/>\nEine innere Freude anderer Art gab dem Verstorbenen am 26. Oktober d.J. das 50j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Fa. Kern &amp; Schaufelberger AG. Mit Recht durfte er stolz sein auf das, was er mit seinem Partner und seinen Mitarbeitern erreicht hatte.<br \/>\nSein Leben lang hat sich Max Schaufelberger f\u00fcr seine tiefen Ueberzeugungen eingesetzt und sie mit Vehemenz vertreten. Er war immer ein offener, ehrlicher Charakter, begleitet von vornehmer bescheidener Wesensart. Dank seinem Ge- rechtigkeitssinn besass er die Gabe zu vermitteln und auszugleichen. Durch seine besonnene Art gewann man immer wieder den Eindruck: das ist ein Mann auf den man sich verlassen kann.<br \/>\nMaterielle werte bedeuteten f\u00fcr ihn nur dann etwas, wenn er sie f\u00fcr die Sicherheit der Firma und der Familie einsetzen konnte. Sein Vorausahnen und Vorausschauen in die Zukunft, sein Vorw\u00e4rtsstreben und sein Tatendrang waren nicht immer bequem, aber sie waren getragen von ehrlicher Ueberzeugung und wahrhaftem Sinn.<br \/>\nLeider war es ihm nicht mehr verg\u00f6nnt, all seine Pl\u00e4ne durchzuf\u00fchren. Zu fr\u00fch und zu pl\u00f6tzlich wurde er aus einem erf\u00fcllten Leben herausgerissen Tr\u00f6stlich ist es zu wissen, dass er ohne Leiden und Schmerzen von uns ge- gangen ist. Dass dies unterwegs auf der Fahrt geschah, passt aber in sein Lebensbild.<br \/>\nWir verlieren in ihm einen vornehmen Menschen, einen unvergesslichen Ehe- gatten, einen liebevollen Vater, einen g\u00fctigen Bruder, einen verst\u00e4ndnis- vollen Verwandten &#8211; und einen wirklichen Freund.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Max Schaufelberger wurde am 28. M\u00e4rz 1913 als Sohn eines Primarlehrers und einer Bauerntochter geboren. Zusammen mit seiner Schwester verbrachte er die ersten Lebensjahre unbeschwert in Uhwiesen am Rheinfall. 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